Wie du die Fesseln Begierde und Übelwollen löst

Begierde und Übelwollen oder Wunsch und Widerwillen sind die 4. und 5. Fessel, die sich nach der Erkenntnis zeigen, dass es kein Ich gibt.

Mit der Ich-Vorstellung sind auch die 2. Fessel (Zweifel) und die 3. Fessel (Hängen an Regeln oder Ritualen abgefallen.

Wenn klar ist, dass es keine Instanz gibt, die entscheidet oder kontrolliert, können Wunsch und Widerwillen noch viel deutlicher zu spüren sein.

Ununterbrochen versuchen wir Angenehmes zu behalten und Unangenehmes wegzustoßen, mit mehr oder weniger Erfolg. Wenn etwas nicht so ist wie wir es uns  vorstellen, starten die Gedanken und überlegen, was wir tun können, um das Gewünschte zu erreichen. Oder die Reaktion ist so schnell und heftig, dass wir nur die Wut und den Ärger fühlen oder in Tränen ausbrechen.

 

Begierde und Übelwollen unter der Lupe

Bei der Untersuchung von Begierde und Übelwollen untersuchen wir in Zeitlupe, wie eine Reaktion abläuft und was sie auslöst.

Was geschieht eigentlich bei einer Reaktion, wie kommt es dazu? Warum reagieren wir? Was führt zu der Reaktion?

Es fühlt sich so an, als wollten wir etwas oder wir wollten es nicht, und das setze die Reaktion in Gang. Ist das so?

In einer Reaktion folgen aufeinander:

  1. Situation oder Gedanke –> 2. Körperempfindungen –> 3. Begierde und Übelwollen als Trigger für die folgende Reaktion? –>  4. Reaktion

 

  1. Etwas geschieht oder ein Gedanke taucht auf.
  2. Angenehme, unangenehme oder neutrale Körperempfindungen tauchen auf
  3. An dieser Stelle müsste stehen, was die Reaktion auslöst. Sind hier Wunsch und Widerwillen zu finden, die eine Reaktion triggern? Sie sind zwei Seiten einer Medaille, wir wollen das eine und nicht das andere.
  4. Die Reaktion läuft ab. Wir denken weiter über die Situation nach, diskutieren mit unserem imaginären Gegner oder werden gereizt, wütend oder traurig oder tun etwas, um das Gewünschte zu bekommen.

 

So löst du die Fesseln von Begierde und Übelwollen

Die Untersuchung von Begierde und Übelwollen oder Wunsch und Widerwillen wird nur erfolgreich sein, wenn die Annahme eines Ichs, die Persönlichkeitsansicht, durchschaut ist. Solange wir glauben, ein Ich hätte die Kontrolle, ist es nicht möglich, Wunsch und Widerwillen zu durchschauen. Ist die Ich-Annahme durchschaut und du fühlst dich zu Hause in dieser neuen Perspektive, kann es losgehen.

Für die Untersuchung von Begierde und Übelwollen nimmst du ein Problem, dass du unbedingt loswerden möchtest. Wenn eine Fee käme und mit ihrem Zauberstab ein Problem wegzaubern könnte, welches Problem würdest du dir wegwünschen?

Es ist bei dieser Untersuchung wichtig, dass wir nur mit Fakten arbeiten und nicht schon mit der Reaktion. Hat die Reaktion erst einmal eingesetzt, können wir nicht mehr beobachten, was sie auslöst.

Im Zusammenhang dieser Untersuchung ist es nicht schlecht oder gut zu reagieren, diese Begriffe passen hier nicht. Der Blickwinkel von der erfolgten Reaktion aus erlaubt einfach nicht mehr die Erforschung der „Lücke“, dem Erleben zwischen den Körperempfindungen und der Reaktion.

 

1. Schritt: Welches Problem soll gelöst werden?

Im ersten Schritt beschreibst du dein Problem. Ein Beispiel aus meinen Begleitungen:

Jemand hatte das Gefühl, seine Frau liebe ihn nicht mehr, ich werde ihn Robert nennen und seine Frau Tina. Ich habe ihn gefragt, woran er konkret sieht, dass seine Frau ihn nicht mehr liebt und was sie tun müsse, damit er sieht, dass sie ihn liebt.

Seine Frau umarmte ihn nicht mehr spontan.

 

2. Schritt:
Erlebe in Zeitlupe, was während einer Reaktion geschieht.

Da es in der Hitze der Situation oft schwer ist genau hinzuschauen, nehmen wir diese Situation mit ins „Bewusstseinslabor“.

Wenn Robert für sich war, sagte er sich den Satz: „Tina umarmt mich nicht spontan.“

Wie du siehst, habe ich das „mehr“ herausgenommen, denn darin steckt bereits die Reaktion, das Beklagen über die Situation.

Nach dem Denken oder Sagen dieses Satzes tauchten Körperempfindungen auf, ein Druck auf dem Herzen und die Kehle zog sich zusammen.

Es setzten auch Reaktionen ein. Erinnerungen erschienen, sie erzählten davon, wie es früher einmal war. Traurigkeit gemischt mit Ärger war zu spüren.

 

3. Schritt
Lösen Begierde und Übelwollen die Reaktion aus?

Mit ein bisschen Übung gelang es Robert „in der Lücke“ zu bleiben. Er spürte die Körperempfindungen, spürte den Sog zu reagieren und hielt Ausschau nach Wunsch oder Widerwillen. Tauchten sie auf und triggerten die Reaktion? Genau jetzt mussten sie eigentlich zu sehen sein.

 

4. Schritt
Begierde und Übelwollen werden schwächer

Diese Übung machte Robert 4 x pro Tag für etwa 10-15 Min.

Rasch ließen sein Ärger und seine Traurigkeit darüber nach, dass seine Frau ihn nicht spontan umarmte.

Auch in entsprechenden Situationen erlebte er keinen Ärger mehr, die Erwartung sie solle ihn umarmen verschwand einfach.

 

5. Schritt
Durchschauen der Annahme von Wunsch und Widerwillen

Im letzten Schritt wurde die Annahme von Wunsch und Widerwillen durchschaut. Robert erkannte klar und in eigener Erfahrung, dass es nichts gibt, was die Reaktion einleitet. Diese tiefe Einsicht ist für jeden unterschiedlich und schwer in Worte zu fassen.

Damit war das Ganze kein Thema mehr. Seine Frau umarmte ihn nicht spontan, das war eine Tatsache ohne jede weitere Bedeutung. Es wurde nichts mehr in diese Tatsache hineingelesen.

Dieses Nichtreagieren breitete sich auf alle anderen Erlebnisse aus, in denen Robert bisher reagiert hatte.

 

Das Schwächen und Wegfallen von Begierde und Übelwollen

Für diese Fesseln werden mindestens zwei dieser Runden gebraucht, bis sie vollkommen wegfallen. In jeder Runde wird mit einem anderen Problem gearbeitet. Zunächst werden die Fesseln geschwächt, Reaktionen fallen schwächer und kürzer aus, und dann verschwinden die Reaktionen.

Die Arbeit in dieser Fessel ist die emotionalste Arbeit. Dabei tauchen wir tief in die Gefühle ein und häufig kommen unbearbeitete Konflikte zum Vorschein, die angeschaut werden wollen.

 

Einmal- und Nichtwiederkehrer

Wie hoch die Bedeutung der Fesseln von Begierde und Übelwollen ist, drückt der Buddha darin aus, dass die Schwächung dieser Fesseln dazu führt, Einmalwiederkehrer zu sein und nach dem Wegfallen wird es kein weiteres Menschenleben mehr geben, die Stufe des Nichtwiederkehrers ist erreicht.

Unabhängig davon, ob du an wiederkehrende Geburten glaubst oder nicht, es zeigt, was für ein wichtiger Schritt in diesen Fesseln gemacht wird.

 

Meine Arbeit in der 4. und 5. Fessel

In meiner ersten Runde arbeitete ich mit einem Beziehungsthema. In der zweiten Runde nahm ich meinen Schokoholismus. Ja, ich konnte an keinem Stück Schokolade vorbeigehen. :-)

Satyadhana, mein Begleiter, fragte mich, was geschehen müsste, damit ich den Griff zur Schokolade vergessen würde, und ich wusste es sofort – und mir war sofort klar, dass es diesmal in die Tiefe ging.

Ich sehnte mich danach, dass mich jemand wortlos fest umarmte. Dass ich wusste, da ist jemand. Ich bin nicht allein.

Meine Eltern waren nach dem Krieg aus der sowjetisch besetzten Zone nach Hamburg geflohen, hausten im Keller eines ausgebombten Hauses und versuchten, wieder ein Leben auf die Beine zu stellen. Ich wurde im Alter von zwei Wochen den ganzen Tag über in eine Kindertagesstätte gegeben.

Der Satz, der für mich stimmte, war: „Da ist niemand“. Er drückte genau das Gefühl aus, was ich hatte.

Wenn ich mir den Satz sagte, stiegen Körperempfindungen auf, die sich im Bereich der Speiseröhre hin- und herbewegten Ich wurde von unglaublich starken form- und inhaltslosen Ängsten überflutet. Die Ängste hielten auch außerhalb dieser Zeiten oft an und ich konnte kaum schlafen.

Schließlich war ich so erschöpft, ich wollte einfach nur noch, dass diese Untersuchung zu Ende geht. Ich war grad auf der Hochzeit meiner Nichte, saß auf dem Hotelbett und beschloss nicht aufzustehen, bevor diese Runde beendet war.

Ich sagte den Satz, spürte die Empfindungen die ich Angst nannte und wartete und schaute. Was triggerte das Schokolade essen müssen? Ich wartete und wartete. Wiederholte den Satz, wenn die Empfindungen schwächer wurden.

Nach ungefähr einer Stunde geschah es. Plötzlich war alles weg. Die Empfindungen waren weg, die Angst war weg, die Lücke war weg, der Spuk war vorbei. Es fühlte sich an, als ob ich aus einem schlimmen Alptraum aufgewacht wäre.

Ich wusste sofort, das war’s. Es war sonnenklar, dass es Begierde und Übelwollen gar nicht gibt, dass sie wie die Ich-Annahme eine weitere Interpretation des Geschehens sind.

 

Die Tests

Ich habe keine Ahnung wie es funktioniert, aber immer, wenn eine neue Einsicht stattgefunden hatte, traf ich auf Situationen, die diese Einsicht testeten. Hielt sie oder war es nur eine Eintagsfliege gewesen?

Am nächsten Morgen, noch immer im Hotel, erhielt ich einen Anruf aus meiner radio-onkologischen Praxis. Ich hatte einen Termin mit meiner Ärztin während der Brustkrebsbestrahlung. Sie musste durch einen anderen Arzt vertreten werden, ob das okay sei?

Oh! Das war so ziemlich der Super-Gau bisher gewesen, es war so schwer, gute Ärzte zu finden, bei denen ich mich nach der Krebsdiagnose sicher fühlte. Ich wartete und sagte nichts. Keine Empfindungen tauchten auf, kein „Nein“….
Die Arzthelferin sprach ganz freundlich weiter, sie hatte meine Verzweiflung beim letzten Arztwechsel erlebt.

Schließlich sagte ich einfach, „Es ist in Ordnung.“ Es war in Ordnung.

Und den ganzen Tag über passierten Dinge, auf die ich normalerweise recht heftig reagiert hätte. Und all diese Reaktionen tauchten einfach nicht mehr auf. Unglaublich!

Und meine Schwester, die meinen süßen Zahn kannte, hatte mir noch eine ganze Baumwolltasche voller Süßigkeiten ins Zimmer gestellt. Ich hatte nicht die geringste Lust davon zu essen.

Allmählich breitete sich ein Gefühl von einer tiefen, süßen Zufriedenheit aus. Ich hatte vorher gar nicht gewusst, was Zufriedenheit eigentlich ist! Diese Freiheit!

Als ich auf der Rückfahrt mit dem Zug umstieg, kaufte ich mir einen Latte Macchiato – und kein süßes Teilchen dazu. Ich glaube, das ist vorher in meinem ganzen Leben noch nicht vorgekommen.

 

Hast du schon Wunsch und Widerwillen untersucht? Wie ist es dir ergangen und wie hast du dich gefühlt, nachdem auch diese Illusion durchschaut war?

Wenn du jemanden kennst, der gern von diesem Weg zum Erwachen hören würde, leite den Artikel gern weiter.

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Vom 20.-24.8. jeden Tag um 19.30 Uhr findet auf Facebook in meiner Gruppe “In diesem Leben erwachen” ein Kurs statt, in dem du die Methode zum Erwachen erlernen kannst, die der Buddha Bahiya gezeigt hat.

Diese Methode kann dich durch alle Fesseln bis zum vollständigen Erwachen führen.

 

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Bild: Courtesy Pixabay

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